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Kulturelles Emblem DDR im Landeskundeunterricht: deutsche kleidungsaufschriften als träger kulturellen Gedächtnisses

„Аз-буки“ by „Аз-буки“
12-06-2026
in Uncategorized
A A

Dr. Boryana Tencheva, Assist. Prof.

Paisii-Hilendarski-Universität Plovdiv

https://doi.org/10.53656/for2026-2s-03

Abstract. Der Beitrag präsentiert deutsche Kleidungsaufschriften als mediale Formen der Erinnerungskultur und verortet das Thema im Schnittfeld von Sprache, Kultur und Mode, wobei DDR-bezogene T-Shirt-Aufdrucke untersucht werden. Im Fokus der Untersuchung stehen sprachliche, symbolische und humoristische Dimensionen. Die empirische Analyse ausgewählter Beispiele folgt einem Ansatz, der sprachwissenschaftliche und intertextuelle Methoden miteinander verbindet. Anhand verschiedener Kleidungsaufschriften wird gezeigt, wie das kulturelle Emblem DDR sprachlich und visuell inszeniert wird, um Identität und Erinnerung zum Ausdruck zu bringen. Für den Landeskundeunterricht eröffnet das Thema vielfältige didaktische Potenziale.

Keywords: kulturelles Gedächtnis, Erinnerungskultur, kulturelles Emblem, DDR, Landeskunde, Fremdsprachenunterricht

 

Einleitung

Der Artikel ist eine logische Fortsetzung der sprach- und kulturwissenschaftlichen Forschung des letzten Jahrzehnts, deren theoretischer und konzeptueller Rahmen in Publikationen von Tencheva (2011, 2013, 2024a, 2024b u. a.) sowie von Milanova und Makević (2024) ausführlich dargelegt wurde. In der vorliegenden Studie werden insbesondere spezifische Aspekte der Verwendung des kulturellen Emblems DDR in den Blick gefasst. Der Beitrag bietet einen Überblick über deutsche Kleidungsaufschriften als Träger kulturellen Gedächtnisses und eröffnet einen interdisziplinären Zugang zwischen Sprache, Kultur und Mode.

Im Mittelpunkt stehen Aufdrucke mit DDR-Bezug und deren Verwendung als Mittel zur Analyse der Erinnerungskultur. Dabei richtet sich der Fokus auf drei zentrale Dimensionen: Sprache, Symbolik und Humor. Im empirischen Teil erfolgt eine strukturelle und funktionale Analyse ausgewählter Beispiele. Die Untersuchung basiert dabei auf einer Methodik, die Elemente der Sprach- und Intertextanalyse miteinander verbindet.

 

Kulturelles Gedächtnis und kulturelles Emblem DDR in Kleidungsaufschriften

Kultur konstituiert sich als verbindende Struktur, indem sie durch gemeinsame Bedeutungen, Regeln und Werte Vertrauen, Orientierung sowie einen gemeinsamen Handlungsraum schafft. Darüber hinaus fungieren Erzählungen und Erinnerungen als Medien zur Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart, indem sie Zugehörigkeit sowie kollektive Identität stiften. Das kulturelle Gedächtnis manifestiert sich als komplexe und dynamische Form der Überlieferung, Bewahrung und Aktualisierung kultureller Bedeutungen (vgl. Assmann, 2017, р. 16, 21). Vor diesem Zusammenhang widerspiegeln T-Shirts mit DDR-Bezug historische Kontexte und reflektieren zugleich gegenwärtige Identitätsdiskurse in Ostdeutschland.

Sprachlich-kulturelle Zusammenhänge wurden bereits umfassend von zahlreichen Forscher:innen beschrieben, darunter Assman (1988, 2017), Cherneva (2010, 2013, 2024), Chakarova (2023, 2024a, 2024b), Tencheva (2011, 2013, 2024а, 2024b), Milanova (2023), Milanova und Makević (2024), Kuzova (2017, 2018) u. a. Sprache fungiert als zentrales Medium des kulturellen Gedächtnisses einer Gemeinschaft, weil sie historische Erfahrungen, Werte und kollektives Wissen bewahrt und überliefert. Assmann definiert kulturelles Gedächtnis als „den jeder Gesellschaft und jeder Epoche eigentümlichen Bestand an Wiedergebrauchs-Texten, Bildern und Riten zusammen, in deren ‚Pflege‘ sie ihr Selbstbild stabilisiert und vermittelt, ein kollektiv geteiltes Wissen vorzugsweise (aber nicht ausschließlich) über die Vergangenheit, auf das eine Gruppe ihr Bewusstsein von Einheit und Eigenart stützt“ (Assmann, 1988, р. 15). Damit reflektiert jede Sprache die Identität und das Weltbild ihrer Sprecher:innen. Nach Assmann stellt das kulturelle Gedächtnis eine Form sozialer Stabilisierung dar, die durch die wiederholte Verwendung von Texten und Bildern gewährleistet wird. In diesem Sinne lassen sich Kleidungsaufschriften als Ausdruck sprachlich-kultureller Erinnerung begreifen.

Das unten dargestellte Schema des kulturellen Gedächtnisses verdeutlicht ein dynamisches Netzwerk, in dem Gesellschaft, Sprache, Symbole, Werte und Traditionen eng miteinander verflochten sind. Eine hierarchische Ordnung besteht dabei nicht; vielmehr stehen alle Elemente in wechselseitiger Beziehung und beeinflussen sich gegenseitig.

Kultur bildet einen Rahmen aus Werten und Verhaltensmustern, während das kulturelle Gedächtnis diese Werte und Erfahrungen bewahrt und tradiert. Eine zentrale Rolle kommt dabei der Sprache zu: Sie vermittelt kulturelle Inhalte und transportiert Bedeutungen über Worte, Gesten, Symbole und andere Ausdrucksformen. Symbole fungieren wiederum als gemeinsamer Code, durch den Sprache und Kultur einander interpretieren und reproduzieren.

In Narrativen, literarischen Texten, Redewendungen und kulturellen Konzepten verdichtet sich dieses Wissen und wird über Generationen hinweg weitergegeben. Auf diese Weise entsteht Identität als ein fortlaufender Prozess: stetig im Wandel, zugleich jedoch im kollektiven Gedächtnis verankert.

 

Schema 1. Kulturelles Gedächtnis

 

Nach Chakarova (2023) und Cherneva (2024) bezeichnet ein kulturelles Emblem ein Symbol oder Bild, das wichtige Aspekte einer Kultur sichtbar macht und weitervermittelt. In diesem Sinne „fungieren Symbole als verbindendes Fundament, das einer Auflösung einer Kultur in einzelne chronologische Schichten entgegenwirkt1“ (Chakarova, 2023, р. 123). Dazu zählen Zeichen und Darstellungen, die eine spezifische Bedeutung tragen und zur Identifikation mit einer Gemeinschaft oder Tradition beitragen. „Semiotische Untersuchungen demonstrieren die hohe Produktivität des Interesses an der Sprache räumlicher Kulturbeziehungen. Der Geist des Territoriums konstituiert dabei einen Boden, der Raum, Geschichte und Kultur verbindet und folglich Wertbedeutungen, Orientierungen und Begrenzungen formt“ (Kuzova, 2018, р. 233).

Im Kontext des Themas lässt sich das kulturelle Emblem DDR auf T-Shirts als sichtbares Element kollektiver Erinnerung interpretieren. Anhand verschiedener Aufdrucke wird gezeigt, wie dieses Emblem sprachlich und visuell umgesetzt wird, um Identität und Erinnerung zum Ausdruck zu bringen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Alltagsgegenstände zu Trägern kollektiver Erfahrungen werden.

Schema 2 veranschaulicht, wie T-Shirts mit DDR-Bezug als kulturelles Emblem fungieren. Die Darstellung erfolgt auf drei Ebenen: einer visuellen Ebene, einer verbalen Ebene sowie einer kombinierten Ebene, die beide Ausdrucksformen miteinander verbindet. Durch dieses Zusammenspiel von Text und Bild entsteht eine vielschichtige kulturelle Botschaft.

Schema 2. Kulturelles Emblem DDR2

 

Kulturelles Emblem DDR: Korpusbasierte Analyse

Die ersten drei untersuchten T-Shirts zeigen Motive aus der DDR sowie ostdeutsche Identitätsmarker, über die Zugehörigkeit, Stolz und Selbstironie zum Ausdruck gebracht werden. Letztere wird in der Studie von Tencheva (2024b) aus kommunikativ-pragmatischer Perspektive eingehend analysiert. Durch historische Symbole, sprachliche Kontraste und die humorvolle Umdeutung des Begriffs Ossi werden diese Botschaften zu Zeichen von Widerstandskraft, Solidarität und kultureller Erinnerung. Die Slogans fungieren als Mittel alltäglicher Identitätspolitik, das sowohl provoziert als auch zum Nachdenken anregt.

 

Die Aufschrift in Bild 1 besteht aus einem kurzen, prägnanten Slogan, der Stolz und Stärke vermittelt. Der erste Teil – Geboren unter Zirkel und Hammer – verweist auf das DDR-Emblem und symbolisiert Herkunft sowie kollektive Identität. Der zweite Teil – Kenn ich weder Schmerz noch Gejammer – betont Härte und Unerschütterlichkeit und spielt zugleich ironisch mit dem stereotypen Bild des widerstandsfähigen Ossis.

Der T-Shirt-Aufdruck in Bild 2 veranschaulicht, wie das sozialistische Erbe heute humorvoll und selbstbewusst weiterlebt und dabei Elemente von Erinnerung und Identitätsstiftung miteinander verbindet. Die Aufschrift Vom Ossi lernen heißt überleben lernen! spielt ganz bewusst auf die bekannte DDR-Parole – Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen an. Mit Humor und Ironie vermittelt der Spruch die Botschaft, dass aus der DDR-Erfahrung Stärke erwachsen ist. Der Begriff Ossi fungiert dabei als Marker einer gemeinsamen ostdeutschen Identität, während überleben lernen sowohl wörtlich als auch symbolisch zu verstehen ist – als Ausdruck von Anpassungsfähigkeit, Widerstandskraft und Durchhaltevermögen.

 

Beide Sprüche (vgl. Bild 3 und 4) betonen auf provokante und ironische Weise den Gegensatz zwischen Ost und West. Ich bin Ossi – und ihr nicht transformiert den früher abwertend verwendeten Begriff Ossi in ein selbstbewusstes Identitätsmerkmal. Lexikalisch wird das Wort Ossi damit positiv umgedeutet: von einem zunächst umgangssprachlich oder pejorativ gebrauchten Ausdruck hin zu einem Marker für Stolz und Zugehörigkeit.

Durch seine klare Struktur und starke sprachliche Einfachheit vermittelt der Spruch eine deutliche Botschaft. Strukturell besteht der Satz aus zwei parallelen Teilsätzen, deren Kontrastaufbau (ich vs. ihr) die Opposition zwischen dem Sprecher – einem selbstbewussten Ostdeutschen – und den „Anderen“, meist implizit den Westdeutschen, hervorhebt. Das Pronomen ihr schafft Distanz und markiert eine klare soziale Grenze.

Typografisch dominiert das Wort OSSI durch Größe und Platzierung; es fungiert als visuelles Symbol kollektiver Identität und hebt diese zugleich als etwas Eigenes und Wertvolles hervor. Der Punkt am Satzende verstärkt die Endgültigkeit und Entschiedenheit der Aussage.

Die Kleidungsaufschrift Ostdeutschland – wir sind ein Volk – und ihr ein anderes (vgl. Bild 4) korreliert mit den vorherigen Botschaften und bestätigt deren Grundtenor. Der Spruch spielt bewusst mit der Einheitsparole von 1989 und stellt ihr eine ironisch zugespitzte Hervorhebung fortbestehender Differenzen gegenüber. Beide Formulierungen zeigen Selbstbewusstsein, fordern Anerkennung ein und lenken die Aufmerksamkeit auf die eigenständige ostdeutsche Identität – im Spannungsfeld zwischen Ironie, Protest und Stolz.

Der Spruch Trotz Mauerfall und Wende – Ossi bis zum Ende (vgl. Bild 5) verbindet historische Erinnerung, Identität und Stolz in einer kompakten, rhythmisch formulierten Aussage. Strukturell ist der Satz zweiteilig aufgebaut: Trotz Mauerfall und Wende verweist auf die politischen Umbrüche von 1989/90, während Ossi bis zum Ende eine bleibende, unveränderliche Selbstidentifikation ausdrückt. Durch die antithetische Konstruktion (trotz … – bleibt …) entsteht ein markanter Gegensatz zwischen Veränderung und Beständigkeit.

Der Reim Wende – Ende und der sloganhafte Rhythmus verleihen dem Spruch Prägnanz und emotionale Wirkung. Lexikalisch fungieren Mauerfall und Wende als historische Marker, die den tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel symbolisieren, während Ossi wieder als selbstbewusst positiv umgedeutete Selbstbezeichnung erscheint. Die Wendung bis zum Ende unterstreicht Loyalität, Standhaftigkeit und lebenslange Verbundenheit mit der ostdeutschen Identität.

Visuell wird der Text durch starke Farbkontraste (etwa Gelb oder Weiß auf schwarzem Hintergrund) sowie durch das zentrale DDR-Emblem (Zirkel, Hammer, Ährenkranz) geprägt, das den nostalgischen und symbolischen Charakter des Motivs verstärkt. Das Emblem spielt zugleich ironisch mit der Ästhetik früherer Propagandaslogans und verleiht dem Aufdruck zusätzliche emotionale Tiefe, indem es kollektive Erinnerungen wachruft.

Das T-Shirt übersetzt DDR-Erfahrung in kulturelles Erbe, erhebt das Ossi-Sein zu einem Zeichen von Stolz, Beständigkeit und Zusammenhalt und verwandelt die Erfahrung des Umbruchs in eine ironisch-pathetische Selbstbehauptung: Systeme vergehen – Identität bleibt.

Der letzte Spruch der Reihe Unterschätze niemals einen alten Mann, der in der DDR aufgewachsen ist (vgl. Bild 6) verbindet Humor mit einer respektvollen Würdigung einer ganzen Generation. Er greift das bekannte Muster populärer Slogans wie Never underestimate an old man … auf und verleiht ihm eine spezifisch ostdeutsche Note. Der alte Mann steht hierbei symbolisch für Erfahrung, Lebensklugheit und Stärke, während der Verweis auf die DDR die Herkunft dieser Eigenschaften markiert – aus einer Zeit der Knappheit, Disziplin und Anpassungsfähigkeit.

Der Aufdruck vermittelt Stolz und macht deutlich, dass die Erfahrungen aus der DDR-Zeit auch heute noch als Quelle von Stärke und Identität verstanden werden – etwas, was man tatsächlich nicht unterschätzen sollte.

Das kulturelle Emblem DDR wird in den folgenden Beispielen (vgl. Bilder 7 – 11) durch ein ikonisches Symbol jener Zeit und dessen Spitznamen dargestellt: den Trabant, der zwischen 1957 und 1991 produziert wurde. Dieses charakteristische DDR-Auto verkörpert die Errungenschaften und die Grenzen der sozialistischen Industrie – ein Fahrzeug, das günstig, zugänglich und weit verbreitet war. Es steht sinnbildlich für den Alltag der Ostdeutschen, der von langen Wartezeiten, materiellen Engpässen und einem hohen Maß an Anpassungsfähigkeit geprägt war. Heute fungiert der Trabi als nostalgisches Zeichen einer vergangenen Epoche, das Ironie, liebevolle Erinnerungen und kulturelle Identität miteinander verbindet.

 

 

In diesem sprach-kulturellen Kontext verbindet der Aufdruck Ostalgie – Rennpappe zusammen mit dem Bild eines stilisierten Trabants (vgl. Bild 7) auf humorvolle Weise Erinnerung und Identität. Der Begriff Ostalgie bezeichnet die emotionale, oft liebevoll-ironische Rückschau auf die DDR-Zeit, während Rennpappe als humorvoller Spitzname des Trabants fungiert.

Der Spruch Nur Frauen/Männer aus Stahl fahren Autos aus Pappe (vgl. Bilder 8–9) ist ein humorvoller Ausdruck ostdeutscher Identität, der weibliche bzw. männliche Stärke mit nostalgischer Erinnerung verbindet. Der Satz ist kurz und pointiert formuliert – beinahe wie ein Werbeslogan – und lebt vom Kontrast zwischen Stahl und Pappe. Gerade in dieser Ironie liegt der Witz: Aus etwas vermeintlich Schwachem wird ein Gegenstand des Stolzes.

Der Phraseologismus Alte Liebe rostet nicht (vgl. Bild 10) steht in Verbindung mit dem Bild eines alten Autos symbolisch für Beständigkeit und Treue. Das T-Shirt übernimmt damit eine kommunikative sowie eine identitätsstiftende Funktion.

Der Aufdruck Mein perfekter Tag (Bild 11) zeigt auf humorvolle Weise die Verschmelzung von ostdeutscher Identität und Alltagskultur. Im Mittelpunkt steht erneut der Trabant, der – wie schon erwähnt – als Symbol ostdeutscher Identität und Lebensweise fungiert. Humor und Selbstironie spielen hierbei eine zentrale Rolle: Aus alltäglichen Routinen und Gewohnheiten wird eine kleine Lebensphilosophie.

Die T-Shirts in den Beispielen 7 bis 11 zeigen, dass Nostalgie humorvoll, charmant und zugleich modern auftreten kann. Die DDR-Erinnerung erscheint hier als Ausdruck von Zugehörigkeit, Witz und einem liebevollen Blick auf die eigene Vergangenheit.

Die Aufschrift auf dem letzten Bild (12) Wir sind das Volk – das ist unsere Flagge – und dieses Volk sagt: ES REICHT!!! verbindet historische Parolen mit gegenwärtiger Protestrhetorik. Der Aufbau erinnert an Demonstrationsrufe und verstärkt den appellativen Charakter der Aussage. Die Formel wird zum Ausdruck von Empörung und gesellschaftlicher Unzufriedenheit. Hier dominieren Emotion und Pathos: Anstelle von Humor oder Ironie, wie sie bei vielen Ostalgie-T-Shirts vorherrschen, stehen Wut und Abgrenzung im Vordergrund.

Zum Schluss lässt sich festhalten: Die T-Shirts mit DDR-Bezug stehen sinnbildlich für ein Ostdeutschland, das als Gefühl, Erinnerung und kulturelle Identität fortbesteht. Die Aufschriften verbinden Sprache, Symbole und Ironie; sie stärken Zugehörigkeit, schaffen Gemeinschaft und regen zur Reflexion an. Gerade deshalb sind sie so wirkungsvoll: Sie machen Vergangenheit auf kreative und emotionale Weise erfahrbar. Sie verdeutlichen, dass Ostdeutschland längst mehr ist als ein geografischer Raum: Es ist ein kulturelles Gedächtnis, das in Sprache, Humor und Alltagskultur lebendig bleibt.

 

Kulturelles Emblem DDR im Landeskundeunterricht

Landeskunde ist eine Disziplin, deren Ziel darin besteht, das Verständnis für Gesellschaft, Kultur, Geschichte, Politik und Alltag in den deutschsprachigen Ländern zu fördern. Sie umfasst zentrale Themenfelder wie Geografie, historische Entwicklungen, politische und wirtschaftliche Strukturen, soziale Systeme, Traditionen, kulturelle Ausdrucksformen und sprachliche Normen. Durch diese inhaltliche Breite stärkt Landeskunde die interkulturelle Kompetenz der Lernenden und schafft einen umfassenden Kontext für eine authentische und effektive Kommunikation. Aus diesem Grund erscheint es sinnvoll, eine thematische Unterrichtseinheit einzubeziehen, die dem kulturellen Emblem DDR gewidmet ist. Die Untersuchung, wie Aufschriften auf Kleidungsstücken als Träger des kulturellen Gedächtnisses im modernen Deutschland fungieren, führt die Lernenden an das Verständnis von Symbolen als Instrumenten der Vermittlung historischen Wissens und der Formung gesellschaftlicher Einstellungen heran. Gleichzeitig fördert sie sowohl ihre sprachlichen Kompetenzen als auch ihre kulturelle Kompetenz im Rahmen der Landeskunde.

Zu Beginn der Unterrichtseinheit kann der/die Dozent:in als Einstieg Fotos von Kleidungsstücken mit Aufschriften oder Symbolen zeigen. Die Lernenden werden dazu angeregt, ihre ersten Assoziationen zu äußern und gemeinsam zu diskutieren, warum solche Artikel in der heutigen Mode erscheinen. Diese Einstiegsphase aktiviert ihr vorhandenes Vorwissen, weckt Interesse und schafft eine Grundlage für die darauffolgende Analyse.

Anschließend präsentiert die Lehrkraft einen kurzen inhaltlichen Kontext: Sie erläutert das Phänomen der Ostalgie, führt den Begriff des kulturellen Gedächtnisses (nach Assmann, Cherneva, Chakarova, Tencheva, Milanova – in vereinfachter Form) ein und erklärt die Rolle der Mode als Spiegel soziokultureller Prozesse. Ziel ist es, die Lernenden dafür zu sensibilisieren, dass Aufschriften auf Kleidungsstücken nicht nur dekorative Elemente darstellen, sondern häufig einen historischen und ideologischen Bedeutungsgehalt tragen.

Im Hauptteil der Unterrichtsstunde arbeiten die Lernenden in Gruppen, wobei jede Gruppe ein anderes Foto oder einen kurzen Text zum Thema erhält. Ihre Aufgabe besteht darin, die visuellen, verbalen und inhaltlichen Elemente des jeweiligen Beispiels zu analysieren: Was stellt das Kleidungsstück dar? Welche Botschaft vermittelt es? Wer könnte es tragen – und zu welchem Zweck? Zudem sollen die Lernenden überlegen, ob das Symbol als Ausdruck von Nostalgie, Ironie oder einer politischen Position interpretiert werden kann.

Ein wichtiger Bestandteil dieser Unterrichtsphase ist es, die Verbindung zwischen dem jeweiligen Symbol und dem Begriff des kulturellen Gedächtnisses herzustellen und zu reflektieren, wie die Vergangenheit im Alltag sichtbar gemacht und aktualisiert wird.

Es folgt eine gemeinsame Diskussion, in der die Deutschlernenden erörtern, ob es angemessen ist, dass DDR-Symbole in der Mode auftauchen und ob dies zur Pflege des kulturellen Gedächtnisses beiträgt oder eher eine Form seiner Kommerzialisierung darstellt. Die Lernenden können dabei ihre persönliche Meinung äußern und ihre Position argumentativ begründen.

Am Ende der Unterrichtsstunde wird eine produktive Aufgabe angeboten. Für niedrigere Niveaustufen (B1–B2) können die Lernenden ein eigenes T-Shirt-Design erstellen, das mit deutscher Kultur oder Geschichte verbunden ist, und anschließend ihre gestalterischen Entscheidungen erklären. Für höhere Niveaustufen (C1 – C2) wird eine schriftliche Aufgabe vorgeschlagen, etwa eine Stellungnahme zur Frage, ob DDR-Symbole in der Mode zur Bewahrung des kulturellen Gedächtnisses beitragen.

Die Unterrichtsstunde endet mit einer kurzen Reflexionsphase, in der die Lernenden schildern, was sie Neues über Deutschland erfahren haben und inwiefern das Thema ihr Verständnis kultureller Symbole verändert oder erweitert hat.

Als Hausaufgabe kann ein kurzer Essay zu Symbolen der eigenen Kultur oder eine Aufgabe zum Sammeln und Anwenden neuer Lexik angeboten werden. Auf diese Weise verbindet die Unterrichtseinheit sprachliche Entwicklung, kulturelles Lernen und kritisches Denken und macht Schriftzüge auf Kleidungsstücken zu einem zugänglichen und motivierenden Mittel für den Landeskundeunterricht.

 

Fazit

Die Untersuchung zeigt, dass T-Shirts mit DDR-Bezug eine bedeutende Rolle als Träger kulturellen Gedächtnisses spielen. Sie verbinden Sprache, Bildlichkeit und Humor und übersetzen historische Erfahrungen in moderne Ausdrucksformen. Dadurch werden Identität, Zugehörigkeit und kollektive Erinnerung nicht nur bewahrt, sondern auch kreativ neu interpretiert.

Die Motive verdeutlichen, wie ambivalent das kulturelle Erbe der DDR wahrgenommen wird – im Spannungsfeld zwischen Stolz, Ironie, Protest und Nostalgie. Zugleich wird sichtbar, dass Alltagsgegenstände wie Kleidung zu wichtigen Medien kultureller Selbstverortung werden können.

Das kommerzielle Interesse an Historismen und historischen Kulturkonzepten reflektiert gesellschaftliche Entwicklungen und Einstellungen und kann als eine Art „Recycling“ des kulturellen Emblems DDR verstanden werden, d. h. als synchrone Neubewertung eines diachronen kulturellen Querschnitts.

Zudem lässt sich feststellen, dass die positive Umdeutung ehemals abwertender Begriffe wie Ossi einen wichtigen Prozess der Selbstbehauptung und Identitätsstärkung darstellt. Die T-Shirts verdeutlichen, wie ostdeutsche Erinnerungskultur humorvoll, kritisch und zugleich selbstbewusst gestaltet wird. Der Einsatz von DDR-Symbolen wie dem Trabant fungiert dabei als visuelles Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Für den Landeskundeunterricht eröffnet das Thema vielfältige didaktische Potenziale: Es ermöglicht eine anschauliche Auseinandersetzung mit kulturellem Gedächtnis, interkulturellen Bedeutungen und gesellschaftlichen Diskursen im heutigen Deutschland. Die Analyse solcher Kleidungsaufschriften fördert nicht nur sprachliche Fähigkeiten, sondern auch kritisches Denken und kulturelles Bewusstsein. Insgesamt bestätigt die Studie, dass DDR-Emblem in der Mode ein lebendiges Beispiel dafür darstellen, wie Geschichte im kollektiven Bewusstsein weiterwirkt und in neuen Kontexten Bedeutung gewinnt.

 

ANMERKUNGEN

  1. Alle Übersetzungen der zitierten Textstellen ins Deutsche stammen von der Verfasserin.
  2. Schema 2 ergänzt und konkretisiert Abbildung 1 von Cherneva (2024, р. 13).

 

QUELLEN DER BEISPIELE

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Danksagung und Finanzierung

Diese Studie wurde von der Europäischen Union im Rahmen von NextGenerationEU über den Nationalen Aufbau- und Resilienzplan der Republik Bulgarien gefördert (Projekt DUECOS BG-RRP-2.004-0001-C01 (DUECOS D24-FIF-005).

 

LITERATUR

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Assmann, J. (2017). Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen. München: Verlag C.H.Beck. ISBN eBook 978 3 406 70340 9.

 

Acknowledgments & Funding

This study is financed by the European Union – NextGenerationEU, through the National Recovery and Resilience Plan of the Republic of Bulgaria, project DUECOS BG-RRP-2.004-0001-C01 (DUECOS D24-FIF-005).

 

REFERENCES

Assmann, J. (1988). Kollektives Gedächtnis und kulturelle Identität. In: Kultur und Gedächtnis, Frankfurt, 9 – 19. Available from: https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/1895/1/Assmann_Kollektives_Gedaechtnis_1988.pdf. [Viewed 2025-11-29].

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CULTURAL EMBLEM GDR IN LANGUAGE AND CULTURE: CLOTHING INSCRIPTIONS IN GERMAN AS CARRIERS OF CULTURAL MEMORY

 

Abstract. The present article examines Clothing inscriptions in German as a mediator of cultural memory, situating the topic at the intersection of language, culture, and fashion. The analysis focuses on T-shirt prints related to German Democratic Republic (GDR). The present study deals with the linguistic, symbolic and humorous aspects of the text. The empirical analysis of selected examples employs a methodology that integrates linguistic and intertextual approaches. Utilising a range of clothing inscriptions, the study demonstrates how the cultural emblem GDR is staged linguistically and visually to express identity and memory. The topic under discussion opens up a wide range of didactic possibilities for teachers of Language and culture.

Keywords: cultural memory; culture of remembrance; cultural emblem; German Democratic Republic (GDR); Language and culture; foreign language teaching

 

Dr. Boryana Tencheva, Assist. Prof.

ORCID iD: 0000-0002-9147-6981

WoS Researcher ID: AAW-4981-2020

Department of Romance and Germanic Studies

Paisii Hilendarski University of Plovdiv

Plovdiv, Bulgaria

E-mail: btencheva@uni-plovdiv.bg

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